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Landwerk Neuendorf

 

Jüdisches Hachschara- und  Zwangsarbeitslager

Neuendorf im Sande 1932—1943

 

 

 

Lesung zur Ausstellung

11/06/16    20 Uhr

 

Es lesen die durch Film, Theater und

Fernsehen bekannten Berliner Schauspieler

Charlotte Sieglin und Stefan Bergel.

 

In verteilten Rollen werden beide aus den in der gleichnamigen Ausstellung vorgestellten Biografien jüdischer Menschen und deren persönlichen Notizen und Erinnerungen aus
dem Neuendorf der Jahre 1941—43 lesen.

 

Aus authentischen Zeitzeugnissen entsteht ein Kaleidoskop, das die äußeren Umstände und die innere Verfasstheit der jüdischen Gutshofbewohner Anfang der vierziger Jahre widerspiegelt.

»Wir sind ernst, aber voller Zuversicht.« — diese Worte der Neuendorfer Madricha (Jugendgruppenleiterin) Anneliese Ora-Borinski beschreiben den Zustand »zwischen Hoffnung

und Angst« der jungen Menschen wenige Tage, Wochen und Monate vor der Verhaftung

und Deportation.

 

Dank der Zeitzeugen, die überleben konnten, und deren veröffentlichten Erinnerungen,

gewähren Lesung und Ausstellung nach über siebzig Jahren heute noch immer sehr

persönliche Einblicke in dieses dunkle Kapitel deutscher und Neuendorfer Geschichte

von Ausgrenzung und Verfolgung bis hin zur Vernichtung.

 

Auf dem ehemaligen Gutshof in Neuendorf im Sande befand sich von 1932 bis1941 eine Ausbildungsstätte für jüdische Jugendliche und junge Erwachsene. Sie bereiteten sich auf die Auswanderung vor, um dem Nazi-Terror entkommen zu können. Sie gingen »auf Hachschara«

 (hebräisch: Vorbereitung, Tauglichmachung), übten sich in kollektiven Lebensformen und erlernten einen landwirtschaftlichen, gärtnerischen oder handwerklichen Beruf. Als 1941
die Hachschara-Stätten geschlossen werden, wird das Landwerk Neuendorf Zwangsarbeits- und Sammellager und in den Jahren 1941 bis 1943 für viele deutsche Juden zur letzten Station
in ihrer ursprünglichen Heimat. Bis heute sind an Neuendorf Erinnerungen derer geknüpft,
die überleben konnten — darunter der Showmaster Hans Rosenthal und die »Rapperin« gegen

Rechts, Esther Bejarano — und an diejenigen, die nicht überlebt haben — darunter die Reformpädagogin Clara Grunwald und die Familie des Gutsleiters Martin Gerson.

Viele von ihnen haben in Neuendorf eine entscheidende Phase ihres Lebens durchlebt,
zwischen Jugend und Erwachsenwerden, Aufbau und Untergang, erster Liebe und blanker Verzweiflung. Die Lesung und Ausstellung zeichnen sechzehn dieser Lebensläufe
exemplarisch nach.

 

 

Für die Lesung konnte die Berliner Schauspielerin Charlotte Sieglin gewonnen werden,
die ihre Ausbildung an der Folkwang Hochschule in Bochum absolvierte. Ihren ersten Kiofilm »Klimt« drehte sie im Jahr 2005 an der Seite von John Malkovich, wofür sie vom Undine Award 2006 als beste jugendliche Nebendarstellerin nominiert wurde. Die Lesung gestaltet sie gemeinsam mit ihrem Kollegen, Stefan Bergel. Nach seiner Schauspielausbildung in Rostock zog es ihn in die Stadttheater, nach Zeitz, Annaberg-Buchholz, Eisenach und Nordhausen.
Und nach der Wende folgten Graz, Heidelberg und Berlin. Zuletzt war er über Jahre hinweg
festes Ensemblemitglied der Neuen Bühne Senftenberg. Hier konnte er in diversen Hauptrollen brillieren. Legendär war die des »Dorfrichters Adam« in Kleists Komödie »Der Zerbrochne Krug«. Stefan Bergel arbeitet heute als Synchronsprecher für Film und Fernsehen.