29/08/15

16 Uhr

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VIELLEICHT

SEHEN

WIR UNS

NOCHMAL

 

Lesung

aus den Briefen

von Clara Grundwald

1941—1943

 

mit Texten von

Egon Larsen,

Herausgeber der

deutschen Ausgabe

„Und doch gefällt

mir das Leben“

 

 

 

Die Kulturscheune Neuendorf im Sande e.V. greift mit einer Lesung die Ortsgeschichte des ehemaligen jüdischen Ausbildungslagers auf, das sich auf dem ehemaligen Gutshof in Neuendorf im Sande nahe Fürstenwalde befand. Hier war eine von insgesamt 32 deutschen Hachschara-Ausbildungsstätten

für jüdische junge Erwachsene, die sich mittels einer landwirt-schaftlichen oder handwerklichen Ausbildung als Siedlungs-pioniere die Ausreise nach Palästina, Argentinien und anders.

wo erhofften. Diese Hoffnung wurde jedoch spätestens nach

der Wannsee-Konferenz der Nationalsozialisten gänzlich zerschlagen.

 

Weil Berlin inzwischen unhaltbar war, wurde das Landwerk Neuendorf für Berliner Juden ein Zufluchtsort, eine Insel

im „braunen Meer“. Neuendorf  war schließlich eine der letzten dieser Ausbildungsstätten, bis 1943 die letzte Deportation

nach Auschwitz erfolgte. Die Pädagogin Clara Grunwald

(1877—1943) war in Neuendorf für die Erziehung der Kinder des Lagers verantwortlich. Möglich wurde das dank ihrer Pflegetochter Bertel, die inzwischen mit dem Leiter des Landwerks, Martin Gerson verheiratet war. Auch ihre Freundin, Charlotte Joël, eine in den zwanziger Jahren gefragte Berliner Fotografin fand hier Zuflucht.

 

Clara Grunwald hat sich bereits zu Lebzeiten Maria Montessoris für die Verbreitung der Montessori-Pädagogik in Deutschland eingesetzt. Mit Vorträgen und Fortbildungsseminaren bereiste sie das Land, gründete Kinderhäuser und Schulen. Bis die Nazis ihr die Lehrbefugnis entzogen. Schließlich half sie jüdischen Mitbürgern, das Land zu verlassen und auszuwandern. Clara Grunwald hat sich zuletzt gegen eine Deportation nach Theresienstadt — was eine Überlebenschance dargestellt hätte — und für Auschwitz entschieden, um ihre Freundin und die ihr anvertrauten Kinder begleiten zu können. Zu den Auszubilden-den in Neuendorf zählte auch Hans Rosentahl, der sich in den letzten Jahren des Krieges erfolgreich vor den Nazis verstecken konnte und später als Quizmoderator von „Dalli Dalli“ im deutschen Fernsehen berühmt geworden. Die von ihr erhaltenen Briefe aus Neuendorf schrieb Clara Grunwald an einer Freundin. Sie sind ein bewegendes Dokument menschlicher Haltung.

 

Für die Lesung aus den Briefen konnte die Berliner Schauspiele-rin Charlotte Sieglin gewonnen werden, die ihre Ausbildung an der Folkwang Hochschule in Bochum absolvierte. Ihren ersten Kinofilm „Klimt“ drehte sie im Jahr 2005 an der Seite von John Malkovich, wofür sie vom Undine Award 2006 als beste jugendliche Nebendarstellerin nominiert wurde. Aktuell ist sie in „Die Männer der Emden“ (ARD) zu erleben. Wenn nicht in Film und Fernsehen, dann spielt sie auf einer der deutschsprachigen Bühnen: Nach anfänglichem Engagement am Schauspielhaus Bochum wechselte sie zunächst ans Staatstheater Schwerin. Dort spielte sie unter anderem die Kriemhild in den „Nibelungen“ und das „Käthchen von Heilbronn“. In Würzburg spielte sie zudem in der Oper „Refidim Junction“ die jüdische Dichterin Marianne Dora Rein und im Sommer diesen Jahres ist sie als Buhlschaft im „Jedermann“ in Wismar zu sehen.

 

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