08/05/15

19 Uhr

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Sommer in Brandenburg

Lesung aus dem Liebesroman von Urs Faes über das Leben im jüdischen Landwerk Ahrensdorf 1938—1942

 

Es liest

Daniel Heinz

Schauspieler / Schwedt

 

&

 

Neuendorfer Fotografien des jüdischen Fotografen Herbert Sonnenfeld

 

3D-Darstellungen von Ines Ebel

Grafikerin / Berlin

Die Kulturscheune Neuendorf im Sande eröffnet ihre zweite Saison mit einer Lesung und begleitenden kleinen Ausstellung
im Rahmen der Langen Nacht der Museen 2015, die sich am

Thema „70 Jahre Kriegsende“ orientiert.

„Sommer in Brandenburg“ ist der Titel eines im Suhrkamp-
Verlag 2014 erschienenen dokumentarischen Liebesromans von Urs Faes über zwei junge jüdische Erwachsene, die Ende der dreißiger Jahre Nazi-Deutschand entkommen wollen.
Der Schweizer Autor Urs Faes ist bekannt für seine eindrucks-vollen Liebesromane: In Urs Faes’ Prosa glüht die Liebe dunkel und melancholisch wie bei einem García Márquez, urteilte Der

Spiegel unlängst über seine Romane. Und das Buchcover eines früheren Werkes bildet unerwartet die Vorlage für seinen jüngsten Roman, gleichfalls ein Liebesroman: Kurz nachdem 2008 Faes´Roman Liebesarchiv erschien, meldete sich eine Stolperstein-Initiative aus Hamburg, die das Foto des bedeutenden jüdischen Fotografen Herbert Sonnenfeld auf dem Buchcover erkannte. Bei den beiden auf dem Buchcover abgebildeten Personen handelt es sich um Lucie Hahn und

Rolf Baruch, die sich im jüdischen Landwerk Ahrensdorf, in Südbrandenburg in den Dreißigern kennen- und lieben gelernt haben. Faes, promovierter Historiker, ging dem Umschlagbild nach, fuhr nach Hamburg, Berlin, Trebbin, Tel Aviv, an den See Genezareth und nach Jerusalem, durchforstete Bibliotheken und Archive, sprach mit Zeitzeugen und suchte Schauplätze auf,
an denen sich seine beiden Protagonisten aufgehalten hatten.

Zwei junge Menschen, noch keine zwanzig. Er ein Hamburger „Schlaks“, aus gutbürgerlicher Familie, musisch interessiert.
Sie mit dunklen Augen und unbefangenen Lachen ist Tochter eines Wiener Journalisten. Sie verlieben sich unter außerge-wöhnlichen Umständen. Im Sommer 1938 bereiten sich die beiden auf ihre Auswanderung nach Palästina vor. In einem der jüdischen Hachschara-Zentren, die von den Nationalsozialisten zunächst geduldet wurden, rüsten sie sich im Kollektiv mit weiteren jüdischen Jugendlichen für das Leben im Kibbuz.
Sie alle eint das Ziel, dem Terror zu entkommen, und die Hoffnung auf eine Erlaubnis zur Einwanderung und damit zum

Neuanfang im fremden Land. Die Situation der jungen Erwachsenen in Ahrensdorf ist dramatisch. Die Übergriffe der Nazis nehmen zu und die Nachrichten ihrer Angehörigen — Eltern und Geschwister — klingen immer verzweifelter. Und sie müssen warten, denn die Engländer, Mandatsmacht in Palästina, vergeben nur selten und nur wenig Einreisebewilligungen.
In ihrer aussichtslosen Lage realisieren diese Jugendlichen das Leben. Sie lieben, lernen, philosophieren und widmen sich dem Arbeitsalltag. Sie kennen Phasen der Trauer, Angst und Depression, aber sie entwickeln auch ihre Ideen und Utopien. — Wie man einem Leben, das von der Unsicherheit der mensch-lichen Existenz gezeichnet ist, bedroht durch Verfolgung und Tod, dennoch Augenblicke von Glück und Erfüllung abtrotzen

kann, davon handelt dieser Roman: Während ihr schließlich die Flucht nach Palästina gelingt, wird er ins Zentrallager nach Neuendorf geschickt und von dort gemeinsam mit nahezu allen anderen jüdischen Zwangsarbeitern mit dem 19. Osttransport nach Auschwitz deportiert. Faes gelingt mit seinem schlichten wie gekonnten Roman ein literarisches Denkmal. In seinen

lebendigen und nachvollziehbaren Schilderungen des Alltags im Hachschara-Lager verdichtet erdie alltäglichen Momente zu Monumenten der Ewigkeit. — Urs Faes, Jahrgang 1947, wuchs im schweizerischen Aargau auf. Er durchlief zunächst eine Ausbildung zum Grundschullehrer. Anschließend studierte er Geschichte, Germanistik, Philosophie sowie Ethnologie. Seine ersten Texte erschienen 1970 in Zeitungen und Zeitschriften. Urs Faes ist heute vor allem als Romanautor bekannt. Daneben hat er Gedichte, Erzählungen, Theaterstücke und Hörspiele

verfasst. Er hat mehrere Literaturpreise gewonnen.

 

Es liest der Schauspieler Daniel Heinz, der nach seiner Ausbildung und den ersten Jahren Bühnenerfahrung von Frankfurt (Oder) an die Uckermärkischen Bühnen Schwedt wechselte und dort in nahezu allen großen Produktionen zu erleben ist: Ob als Wagner in Goethes „Faust“, als Eduard in „King Lear“, als Athos in „Die drei Musketiere“ oder als
Majorel im „Fluch der Wikinger“. Für sein jüngstes Soloprogramm in der Rolle des Klaus Uhlzscht in Thomas Brussigs „Helden wie

wir“ erhielt er rundweg positive Kritiken.

 

In einer kleinen begleitenden Ausstellung werden Fotografien des jüdischen Fotografen Herbert Sonnenfeld, die von der Berliner Grafikerin Ines Ebel in 3D fotomontiert wurden, gezeigt.

 

 

Buchvorstellung & Ausstellung

08. Mai 2015 /

19 Uhr (Einlass 18 Uhr)

im Rahmen der Langen Nacht der Museen

„70 Jahre Kriegsende“ 2015

 

Ansprechpartner

Arnold Bischinger / 0151-41211566 / f.bischinger@gmx.de

 

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